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Bevor ich mir im Alter von 16 Jahren die Haare grün färbte und als Punk meine Zeit gegen die Frankfurter Startbahn West kämpfend verbrachte, träumte ich davon, als Tierfilmer nach Tansania in die Serengeti zu gehen und Grzimeks Erbe anzutreten. Rebellion und extreme Gefühle bestimmten mein Leben, Schauspielerei kreuzte meinen Weg und erlaubte mir, meinem Idealismus Ausdruck zu verleihen.
Ich begann mit Simone Rist vom Pariser "Theâtre du Soleil" zu arbeiten, ging nach New York und nach Los Angeles und trainierte dort mit unglaublichen Lehrern. Danach machte ich eine klassische Schauspielausbildung an der Hamburger "Hochschule für Musik und Darstellende Kunst". Es folgten einige Arbeiten für Film und Theater. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass die Arbeit vor der Kamera mir am meisten liegt. Nach wie vor fliege ich mehrmals im Jahr nach Los Angeles und trainiere dort mit meinem Coach.
In der drehfreien Zeit bin ich in der weiten Welt auf Abenteuerreisen. Tansania, Alaska und Japan liebe ich besonders. Die Serengeti ist wie eine zweite Heimat für mich. Übrigens starten meine Flüge eigenartigerweise immer ausgerechnet von der "neuen" Startbahn West...
Mit der Zeit habe ich mich sowohl der Stoffentwicklung als auch der kreativen Seite des Produzierens genähert. In absehbarer Zeit gibt es hierzu etwas Spannendes in Zelluloid zu sehen.
Ich glaube an das Leben der eigenen Visionen und Träume. Als ich etwa vier Jahre als war, trennten sich meine Eltern, was mich ziemlich traumatisiert zurück ließ. In der Zeit sah ich das erste Mal Grzimeks "Ein Platz für Tiere", das montags um 20.15 Uhr lief. Wie elektrisiert saß ich damals vor der Glotze. Tiere in der ostafrikanischen Serengeti sprangen vor der Kamera herum, wurden geboren und starben. Das Paradies. Ich zählte die Montage bis ich wieder in dieser anderen, rauheren, aber mir vertrauteren, näheren Welt verschwinden konnte. In der Zwischenzeit zwang ich meine Mutter, mit mir so gut wie jeden Tag (!) in den Frankfurter Zoo zu gehen, um meine afrikanischen Tiere zu besuchen und Grzimek einmal zu Gesicht zu bekommen.... Etwa in dieser Zeit sagte ich zum ersten Mal zu ihr, dass ich später einmal Grzimek in Afrika sein und Tierfilme drehen wolle, um für die Tiere zu kämpfen. Nein, Zoologe wollte ich nicht sein, Grzimek wörtlich sollte es sein!
Im Jahr 2002 kontaktierte ich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt mit dem Wunsch, ob ich nicht ein paar Monate in der Serengeti helfend verbringen könne, da ich drehfrei hätte. Und ich erzählte auch gleich von meiner "besonderen" Beziehung zu Grzimek. Daraufhin wurde ich mit dem Regisseur Thomas Weidenbach bekannt gemacht, der gerade in der Vorbereitung zu einem Dokudrama über Grzimek war. Ich traf Thomas bei der Feier zum 15. Todestag Grzimeks im Zoo und sagte ihm, daß nur ich in Frage käme Grzimek zu spielen - bei meiner Vorgeschichte... Das sah er auch so und das Ergebnis heißt "Bernhard Grzimek - Ein Leben für die Tiere" und wurde letztes Jahr auf arte und im ZDF ausgestrahlt. Der Film ist gleichzeitig auf wundersame Weise die Erfüllung meines Kindheitstraums. Dass er einen Preis gewonnen hat, nehme ich natürlich gerne hin!
Mein Sendungs- und Unrechtsbewußtsein arbeite ich inzwischen in meinem Beruf als Schauspieler ab: in politischen Filmen wie "Hasenjagd" oder "Stalingrad" zum Beispiel.
Text ©: Oliver Broumis